Montessori in Indien

Im Sommer 1939 begab sich Maria Montessori zusammen mit ihrem Sohn Mario auf Einladung der Theosophischen Gesellschaft auf Seereise nach Indien. Noch auf See erhielt sie die Nachricht vom Beginn des 2. Weltkrieges. Indien, das damals zum Machtbereich Englands und damit zum Kriegsgegner der Achse von Hitler-Deutschland und Mussolini gehörte, internierte die beiden feindlichen Ausländer. Maria Montessori erhielt Hausarrest, Mario wurde gefangen genommen. Als Geschenk der indischen Regierung zu ihrem 70. Geburtstag wurde Mario Montessori im August 1940 entlassen und lebte von da an bis 1946 mit seiner Mutter zusammen in Indien. Beide konnten sich frei bewegen, durften das Land aber nicht verlassen.

Mit vielen namhaften Persönlichkeiten trafen sich die Montessoris, so u. a. mit Tagore, Gandhi und Nehru. Sie führten in verschiedenen Teilen Indiens und Kaschmirs Ausbildungslehrgänge durch und gründeten eine Montessori-Schule. Ihr beider Arbeitsschwerpunkt lag auf der Erarbeitung einer Konzeption zur Kosmischen Erziehung, einem Bildungskonzept, das natur-, sozialwissenschaftliche und religiös-moralische Perspektiven zu integrieren versucht.

Außerdem widmete sich Maria Montessori der Kleinkinderbeobachtung und zog daraus entwicklungspsychologische Schlüsse, die sie 1948 in Madras/Indien veröffentlichte. Der deutsche Titel lautet "Das Kreative Kind".