Die Anfänge

Die Montessori Fördergemeinschaft Hofheim e.V. wurde 1993 als Elterninitiative mit dem Ziel gegründet, Einrichtungen zu etablieren, in denen Kindern langfristig von der Montessori-Pädagogik profitieren können. Die folgende Darstellung gibt einen Eindruck von den Aktivitäten in den Gründerjahren und die Entwicklung zum Montessori-Zentrum.

"Wer hast Lust auf Montessori?" - Von der Interessengemeinschaft zum Verein

Das Abenteuer "Montessori in Hofheim" begann im Mai 1991 mit einem Aufruf von Inge Neumeyer in der Hofheimer Zeitung: "Wer hat Lust auf Montessori"?

Auf diesen Aufruf meldeten sich die ersten 20 Interessenten - die Eltern-Interessengemeinschaft Montessori war geboren. Zur besseren Umsetzung dieser "Lust auf Montessori" gründete sich wenige Wochen später die Montessori Fördergemeinschaft.

Zwischen Mai und Juli 1991 wurden drei Informationsabende veranstaltet, um weiteren interessierten Eltern und den Politikern der Stadt das Montessori-Konzept näher zu bringen. Durch die Aktivitäten dieser ersten Wochen fanden sich bereits 40 Eltern zusammen, die auf einer gemeinsamen Liste der Stadt Hofheim gegenüber ihrem Wunsch nach einer Montessori-Gruppe Ausdruck gaben und schließlich auch den Entschluss fassten, sich als Verein zu gründen, um der Stadt Hofheim gegenüber als ernstzunehmender Gesprächspartner auftreten zu können. Am 24. Juli 1991 fand im Gasthof "Viehweide" die Gründungsversammlung statt.

Vom Verein zum Kinderhaus

Nachdem sich herausgestellt hatte, dass eine Montessori-Gruppe im neuen Steinberg-Kindergarten nicht möglich war, entschloss sich der junge Vorstand wegen des bestehenden Bedarfs an zusätzlichen Kindergartenplätzen einen eigenen Kindergarten zu gründen. Er machte sich umgehend auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten und stieß damit auf die erste große Hürde.

Parallel dazu verstärkte er die Öffentlichkeitsarbeit. Er erstellte eine erste Vereinsbroschüre, organisierte einen VHS-Kurs für Eltern mit dem Titel "Das kreative Kind", veranstaltete weitere Infoabende und stellte den Hofheimern mit Info- und Aktionsständen in der Innenstadt die Idee eines Montessori-Kinderhauses vor.

Anfang 1992 schließlich kam es zum entscheidenden ersten Kontakt mit dem Haus vom Guten Hirten: Räumlichkeiten wurden gerade frei durch die Auflösung eines Pflegeheims. Die erste große Hürde der passenden Räumlichkeiten war damit genommen und die nächste Aufgabe stellte sich: die Finanzierung des anstehenden Umbaus.

Aus einer ehemaligen Waschküche sollte mit einem geschätzten Aufwand von DM 350.000,- ein Kindergarten entstehen. In den nächsten Monaten setzte der Vorstand alle Hebel in Bewegung, verhandelte mit der Stadt Hofheim, organisierte eine große Spendenaktion - mit ganz kläglichem Ergebnis - und musste schließlich der Tatsache ins Auge sehen, dass der Verein einen solchen Betrag nicht aufbringen konnte.

Im Herbst 1992 rief Inge Neumeyer die Oberin des Ordens in Hofheim, Sr. Gudula, an, um ihr mitzuteilen, dass der Verein die Pläne auf ihrem Gelände aufgeben müsse. Zwei Tage später rief diese zurück, um mitzuteilen: "W i r wollen aber, dass Sie das machen!" und bot im Namen des Ordens an, die Umbausumme vorzufinanzieren. Mit dem Kloster als Partner verliefen nun auch die Verhandlungen mit der Stadt erfolgreich.

Am 28. August 1993 wurde die Eröffnung des Montessori-Kinderhauses mit den ersten 40 Kindern, ihren Eltern und vielen offiziellen Teilnehmern aus Politik und Ämtern mit einem großen Fest gefeiert. Ingelore Ehrlich, die bereits seit dem Frühjahr mit einer Vorgruppe in ihrem Wohnzimmer die Arbeit aufgenommen hatte, wurde die erste Kinderhaus-Leiterin.

Montessori-Diplomkurse

Schon im Zuge der Vereinsgründung war klar, dass wir nicht nur ein Kinderhaus und eine Schule ins Leben rufen, sondern auch eine Ausbildungsstätte für unsere zukünftigen Mitarbeiter schaffen wollten. Der Verein bereitete daher auf Initiative von Christiane Gobbin-Claussen ein weiteres wichtiges Standbein vor.

Am 4. Februar 1994 konnte der erste Montessori-Diplomkurs der Montessori-Vereinigung e.V.- Sitz Aachen eröffnet werden. Diese Kurse haben das Ziel, die TeilnehmerInnen in die Theorie und Praxis der Montessori-Pädagogik einzuführen und sie zu befähigen, im Sinne der Pädagogik Maria Montessoris tätig zu sein. Sie enden mit der Verleihung des Montessori-Diploms.

Den Kursteilnehmern wurden im Laufe von 1½ sehr arbeitsintensiven und inhaltsreichen Jahren die Bedeutung des Kinderhausmaterials zur Sinnesschulung und zu den Übungen des täglichen Lebens erklärt und die korrekte Handhabung vorgeführt. Diese musste geübt und auch den anderen Teilnehmern gezeigt werden. Vorträge über die theoretische Grundlegung der Montessori-Pädagogik begleiteten die Materialvorführungen, damit sich ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse und die Entwicklung eines Kindes einstellten.

Auf die geforderten Hospitationen in anderen Einrichtungen wurden die Teilnehmer gründlich vorbereitet, denn es erfordert viel Selbstdisziplin und Zurückhaltung über 1½ Stunden aufmerksam zu beobachten. Dieses Training erleichtert es dem Pädagogen später, einen sensiblen Blick für das Verhalten der Kinder zu haben, ihre Bedürfnisse zu erfassen und sich im richtigen Moment für ein Hilfsangebot zu entscheiden. In den Hospitationsberichten hielten die TeilnehmerInnen ihre Beobachtungen fest.

Im mathematischen und sprachlichen Bereich wiederholten sich dann die Einführungen in die Handhabung des Materials und die Erklärungen über ihren Sinn und ihre Einsatzmöglichkeiten in den verschiedenen Altersstufen der Kinder. Hier mussten die zur Verfügung gestellten Materialbücher durch eigene Seiten ergänzt werden. Die Lösung von Aufgaben bei einigen ausgewählten Materialien musste in einzelnen Teilschritten bildlich dargestellt werden. Das bewirkt, dass man sich intensiv mit dem Material auseinandersetzen muss und es sich so besser aneignet. Auch hier begleiteten Theorie-Vorträge die praktische Arbeit.

In einer schriftlichen Prüfung zu theoretischen und praktischen Themen und einer mündlichen Prüfung bewiesen die Teilnehmer, dass sie die wesentlichen Prinzipien der Montessori-Pädagogik verstanden hatten und anwenden konnten.

Seit 1994 wird bei hoher Nachfrage ca. alle zwei Jahre ein Montessori-Diplomkurs als Zusatzausbildung für Pädagogen durchgeführt. Da geeignetes Fachpersonal auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden ist, hat sich dieser Kurs bereits als guter Fundus erwiesen sowohl für unsere als auch für umliegende Montessori-Einrichtungen.

Vom Kinderhaus zur Schule

Kinder und Eltern waren schnell begeistert von ihrem Kinderhaus und so stellte sich schon nach wenigen Monaten die Frage nach einer Weiterführung in Form einer Montessori-Schule.

Eine Arbeitsgruppe Schule unter Leitung von Sabine Bergmann gründete sich im April 1994 und ging mit ähnlichem Schwung an die Verwirklichung des nächsten Traums, der Kinderhaus und Schule unter einem Dach sah. Die Möglichkeiten waren allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben: In den drei Stockwerken darüber war die Caritas mit einem Tages- und Kurzzeitpflegeheim eingezogen, sodass ein anderer Standort für die Schule gesucht werden musste.

Anfang 1996 waren die Verhandlungen mit Stadt und Kreis über ein Schulgrundstück am Steinberg schon weit gediehen, ein Architekt gefunden und ein Vertrag vorbereitet, als zufällig einen Tag vor Unterzeichnung des Architektenvertrags die damalige Hofheimer Oberin des Ordens, Sr. Gudula, bei Inge Neumeyer anrief und sich erkundigte, wie viel Platz denn für den geplanten Schulbeginn mit den ersten Gruppen im Herbst 1996 benötigt würde. Rechtzeitig war ihr bekannt geworden, dass die Caritas einen Neubau plante, sodass sie vor einer Mietvertragsverlängerung mit der Caritas im Sinne der Fördergemeinschaft verhandeln konnte.

Da die Caritas erst Ende Juli aus den zukünftigen Räumlichkeiten der Schule im dritten Stock ausziehen konnte, mussten die Umbaumaßnahmen in einer Rekordzeit von nur 6 Wochen erfolgen. Natürlich war nicht alles perfekt und bis ins Detail fertig. Trotz allem grenzte es an ein Wunder, dass Architekt und beteiligte Firmen mit ihren unterschiedlichen Gewerken zum Schulbeginn am 15. September 1996 die Räumlichkeiten so übergeben haben, dass tatsächlich die ersten 38 Schüler mit ihren drei LehrerInnen einziehen konnten.

Ein Jahr später wurde die Grundschule um die Jahrgänge 5 und 6 erweitert und die Integrierte Gesamtschule unter der Federführung von Rüdiger Biedermann genehmigt.

Die Schule arbeitete von Anfang in gemischten Gruppen von je drei Jahrgängen (1-3, 4-6) und inklusiv - ein Begriff, der damals noch nicht gebräuchlich war, sein Anliegen, nämlich alle Kinder willkommen zu heißen, war den Gründereltern und den ersten PädagogInnen selbstverständlich.