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25. Erfinderlabor: Hessens Jungforscher auf dem Sprung in die Zukunft

Julia von Rothkirch und Panthen, Abiturientin in der D-Blau, forschte in Darmstadt zum Thema Organische Elektronik in einem Kooperationsprojekt mit Merck und Technischer Universität

Julia von Rothkirch und Panthen im Erfinderlabor bei Merck (Foto: Zentrum für Chemie)

Das Forscherteam im Erfinderlabor (v. l.): Dorian Feisel, Julia von Rothkirch und Panthen, Katharina Volk, Sam Tadjiky (Foto: Zentrum für Chemie)

Julia von Rothkirch und Panthen mit ihrem Teamkollegen Dorian Feisel (Edertalschule Frankenberg) bei der Präsentation ihrer Forschungsergebnisse (Foto: Zentrum für Chemie)

Was haben Unternehmensgründer Friedrich Jacob Merck und die Teilnehmer des Erfinderlabors gemeinsam? "Leidenschaftliche Neugier", betonte Prof. Dr. Klaus Griesar im Atrium des Darmstädter Wissenschafts- und Technologieunternehmens. Der Leiter der Abteilung 'Science Relations' war vom Wissensdurst und der Motivation aller 16 Oberstufenschülerinnen und -schüler begeistert. "Als Erfinder seid ihr für mich die Stars von Morgen."

Zum 25. Mal hatte das Zentrum für Chemie (ZFC) mit Sitz in Bensheim ausgewählte junge Oberstufenschülerinnen und -schüler aus ganz Hessen eingeladen, um ihnen Einblicke in eine spannende Zukunftstechnologie zu ermöglichen. Diesmal zum Thema Organische Elektronik. In vier Teams experimentierten jeweils acht Schülerinnen und Schüler mit organischen Leuchtdioden und Solarzellen aus halbleitenden Materialien. 

Darunter befand sich auch Julia von Rothkirch und Panthen: "Mit der Hoffnung auf neue Erkenntnisse bin ich zum Erfinderlabor Organische Elektronik gekommen. Diese neuen Erkenntnisse bekam ich in der Vorlesung von Prof. Dr. Rehahn."

Für die Teilnehmer bot sich die exklusive Chance, auf Augenhöhe mit Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten. Auch die Technische Universität Darmstadt (TUD) war als langjähriger Kooperationspartner des ZFC wieder dabei.

Es war eine besondere Woche in Darmstadt. Hautnah lernten die Teilnehmer das Weltunternehmen Merck aus der Nähe kennen und erlebten Forschung live in den Labors des Fachbereichs Makromolekulare Chemie. Betreut wurden die Schülerinnen und Schüler vom Team um Prof. Dr. Matthias Rehahn. "Neugier und Interesse sind Grundvoraussetzungen für eine Karriere in der Forschung", so der Vizepräsident der TU Darmstadt. Vor über 150 Gästen aus Hochschule, Wirtschaft und Politik haben die Teams am Freitag ihre Forschungsergebnisse präsentiert.

Die dreitägige Laborarbeit bildet das Herzstück des Wissenschafts-Workshops, der von der TUD seit vielen Jahren mit großem personellen und zeitlichen Aufwand - parallel zu den internen Forschungsprojekten - unterstützt wird. "Alle Achtung vor so viel geballter Motivation und Ausdauer", bilanzierte Privatdozent Dr. Stefan Immel aus dem Arbeitskreis von Prof. Rehahn nach einer vollgepackten Woche in der Wissenschaftsstadt. Der Zeitrahmen war straff, der Themenkomplex anspruchsvoll: "Organische Elektronik" bezeichnet ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das sowohl im Bereich der Chemie, der Materialwissenschaften als auch der Elektrotechnik anzusiedeln ist. Hinter dem Begriff verbergen sich alltägliche Anwendungsgegenstände wie beispielsweise Flüssigkristall-Displays (LCD), organische Leuchtdioden (OLED) oder organische Photovoltaikzellen (OPV).

ZFC-Vorstand Dr. Thomas Schneidermeier unterstrich die herausragende Leistung aller Teilnehmer, die im laufenden Schuljahr unter 200 Bewerbern aus 85 Schulen mit gymnasialer Oberstufe ausgewählt wurden. Das Interesse an den Workshops ist ungebrochen, so der Initiator, der mit dem Erfinderlabor bereits vor 13 Jahren eine praxisnahe Form der Berufsorientierung ins Leben gerufen hat.

"Ein hochkarätiges Angebot für hochkarätige Schüler", kommentierte Rita Flad vom Referat Gymnasien im Hessischen Kultusministerium. Die Berufsperspektiven im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) seien derzeit hervorragend. Das Erfinderlabor ist für die ehemalige Chemielehrerin eine ideale Plattform für Oberstufenschüler, um ihre beruflichen Interessen und Perspektiven auszuloten.

Die Workshop-Reihe ist das prominenteste von mehreren Projekten, die vom Zentrum für Chemie entlang der gesamten Bildungskette für Schüler von acht bis 19 Jahren angeboten werden. Es ist Teil der Initiative "Schule 3.0", die marktreife Zukunftstechnologien in den Regelunterricht integrieren will. Darunter Komponenten der Energiewende wie etwa Organische Elektronik, Elektromobilität und virtuelle Kraftwerke. Gefördert wird das Schulnetzwerk von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Dr. Katja Maria Scheible, bei Merck Laborleiterin in der OLED-Forschung, erläuterte den Schülern die unterschiedlichen Karrierewege in der Wissenschaft. "Der akademische Weg bleibt ein Klassiker, wenn man in die Forschung gehen will", so die Expertin, die in Darmstadt auch Doktoranden betreut. Prof. Dr. Matthias Rehahn sagte, dass die Digitalisierung auch vor der Chemie nicht Halt mache. Know-how im Bereich Informatik sei in der Forschung mehr denn je gefragt: "Im modernen Labor muss man auch programmieren können." Den Teilnehmern des Erfinderlabors riet er, sich die Begeisterung für die Naturwissenschaften zu erhalten und Rückschläge selbstbewusst als zusätzlichen Ansporn zu verstehen.

Die Jungforscher wissen ein Lied davon zu singen, dass Experimente nicht immer zum gewünschten Ziel führen. Beim Erfinderlabor entwickelten zwei Teams OLEDs in Eigenbau, die sie – trotz einiger Fehlversuche – letztendlich zum Leuchten brachten. Andere Gruppen beschäftigten sich mit dem Aufbau organischer Photovoltaikzellen und suchten nach Möglichkeiten, wie man deren Funktionsweise verbessern könnte. Anspruchsvolle Aufgaben, die den Schülern viel Kreativität, schnelles Lernen und lange Ausdauer abgefordert haben. 

Nach ihren durchweg sehr gelungenen Präsentationen hörten die Teams das ausnahmslos positive Feedback der Expertenjury.

ZFC-Projektleiterin Binke Friedrich vergab die Teilnahmezertifikate. Jeder erhielt ein Jahresabonnement der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft. Darüber hinaus vergab das Zentrum für Chemie von der Fraunhofer-Gesellschaft gesponserte Sonderpreise: Vier Schüler freuen sich über eine Teilnahme an einem der Talents-Nachwuchsprogramme für den naturwissenschaftlich begeisterten Nachwuchs.

Und was geben die Profis den Jungforschern mit auf den Weg? "Always stay curious", variierte Prof. Dr. Klaus Griesar das aktuelle Motto zum 350. Jubiläum von Merck. Immer schön neugierig bleiben.