Freundschaften über Grenzen hinweg: Schüleraustausch mit der Montessori Family Warsaw

Unser Besuch in der Farm School Folwark Bialka

Hauptgebäude der Farm School

Anfang Juni machten wir uns auf den Weg, unsere neuen Freunde der Montessori Family Warsaw in deren Farm School zu besuchen. Im April waren sie bei uns in Hofheim gewesen. Jetzt kam der Gegenbesuch. Die Schülerinnen und Schüler freuten sich darauf, ihre Austauschpartnerinnen wiederzusehen.

Wie ist eine Schule in Polen? Wie geht Farm School?? Wir waren sehr gespannt. 

Uns empfing nach langer, anstrengender Reise ein beeindruckendes Anwesen und die große Gastfreundschaft von Madura und Rathin. Leider waren nur zwei polnische Schülerinnen anwesend. Es kam noch eine dritte hinzu, aber dieser Umstand blieb die Enttäuschung der Woche. Wir sollten unsere Freunde, auf die wir uns gefreut hatten, erst am Ende der Woche in Warschau treffen.

Es gab schnell anderes, was unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Zum einen befanden wir uns in einem Schloss? Villa? Gutshaus? mit gediegener Einrichtung, alles andere als eine Schule oder gar eine Farm. Das zugehörige Gelände überstieg unsere Erwartungen bei Weitem: riesig, parkähnlich, voller Möglichkeiten. Zum anderen sahen wir uns einem beeindruckenden Stundenplan gegenüber. Taktung von 7.30 Uhr bis 22.30 Uhr. Ein Feuerwerk von Angeboten, Lernmöglichkeiten, Gesprächsrunden, Freizeitvorhaben und auch Pflichten. Was das wohl mit uns machen würde? Ein Urlaub würde die Woche nicht werden. Eine Gruppenfahrt, wie wir sie kennen, auch nicht.

Es gab „normalen“ Unterricht. Lehrerinnen und Lehrer besuchten uns in unserem schönen Saal und überwanden die Sprachbarriere, jede/r auf seine Weise. Mathe war am lustigsten. Wir spielten aber auch Schach, trieben Sport, erledigten Haus- und Gartenarbeit, besuchten die Bienenvölker, kümmerten uns um die Schafe und die jungen Kätzchen, übten Bogenschießen, machten Yoga, schreinerten in der Holzwerkstatt und kämpften uns durch den (Ur-)Wald zu einem Adlerhorst. Jeden Tag begannen wir mit einem Gemeinschaftstreffen. Und: es gab täglich 30 Minuten Zeit für die Sozialen Medien. Wahlmöglichkeiten waren nicht die Regel. Eine gewisse Strenge lag über Allem.

Da konnte einem schonmal der Kopf brummen. Dazu die Fremdsprache (Mal ehrlich: das habt ihr doch super hingekriegt!), die anderen Gepflogenheiten (Keine Straßenschuhe im Haus…..!),  das konnte alles sehr fordernd sein. Doch der Spaß mit den wenigen polnischen Schülerinnen und die Gastfreundschaft der House Parents, das gute Essen, die Riesigkeit des Anwesens – und die Tiere – das wog alles auf.

Am Donnerstagabend – endlich – das Wiedersehen mit den polnischen Partnerinnen in der Hauptstadt. Und wieder die Erfahrung großer Gastfreundschaft sowohl in den Familien als auch vonseiten der Schule. Ein tolles, kurzes Warschau-Kennenlernen machte unsere Woche rund. 

Der Austausch hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll internationale Begegnungen für die persönliche Entwicklung junger Menschen sein können. Neue Perspektiven, interkulturelles Verständnis, Herausforderungen anzunehmen, und nicht zuletzt neue Freundschaften – all das bleibt weit über eine Woche hinaus bestehen.