Durch diese jungsteinzeitliche Siedlungsanlage führt ein archäologischer Rundweg, von dem aus man den Ringwall und das vermutlich älteste Hügelgrab Europas sehen kann.
Am Exkursionstag sollte genau hier unser erstes „History Hiking“ stattfinden – eine Kombination aus Wandern, Picknicken und dem Erleben der Geschichte eines Ortes.
Dann kam die Hitzewelle!
Lange haben wir überlegt, ob wir die Exkursion stattfinden lassen. Da wir aber wussten, dass fast die gesamte Wanderung im Wald stattfinden würde, das Gelände nicht schwierig und der Handyempfang stabil ist, haben wir uns letztlich dafür entschieden. Auch in der Hoffnung, dass es im Wald angenehmer sein würde als in Haus 4. Von Anfang an war klar, dass jeder jederzeit austeigen konnte oder auch ein Abbruch der ganzen Exkursion möglich gewesen wäre. Als weitere Schutzmaßnahme wurde die Strecke verkürzt, z. B. die Überreste eines römischen Wachturms ausgelassen. Zum besonderen „Highlight“ wurde eine einfache, mit Wasser gefüllte Sprühflasche, mit der sich alle immer wieder erfrischen konnten.
Nachdem wir überprüft hatten, dass bei allen Sonnenschutz und Trinkwasser ausreichend vorhanden war, liefen wir durch den Wald erstmal bergab nach Hofheim. Zum Kapellenberg hin war zwar ein Anstieg nötig, dieser erfolgte aber ebenfalls überwiegend im Schatten. Es gab immer wieder ausgerufene Trinkpausen.
Auf dem Kapellenberg trafen wir schließlich auf Herrn Janz, unseren Guide, der uns durch den archäologischen Rundweg führte. Dabei erzählte er uns Geschichten von den archäologischen Ausgrabungen, wie schwierig diese gewesen seien und dass die Michelsberger Kultur, die ihren Namen nach einem Berg bei Bruchsal hat, eigentlich „Kapellenberger Kultur“ heißen müsste, weil hier die ersten Funde gemacht wurden. Dies wäre auch sicher passiert, hätte der Erstentdecker die Funde nicht in der Schublade vergessen. So hat der Kapellenberg seine Chance, Namensgeber für eine Kultur der Jungsteinzeit zu sein, leider verpasst.
Besonders spannend war natürlich der Ringwall, der deutlich machte, dass die Michelsberger ein gar nicht so friedliches Völkchen waren. Aber wer Ackerbau und Viehzucht betreibt und „nebenbei“ noch mit Jade und Salz handelt, hat sicher auch einen Grund sein Hab und Gut gelegentlich verteidigen zu müssen. Herr Janz, der ein umfassendes Wissen über die Zeit besitzt, konnte bei einer vorher dort lebenden Kultur sogar von Kannibalismus berichten.
Der Grabhügel, den wir als nächstes anschauten, hatte aber mit Kannibalismus nichts zu tun. Dort musste eine hochstehende Persönlichkeit bestattet worden sein. Herr Janz erzählte uns davon, wie aufwendig diese Bestattung gewesen sei und wie schwierig es für die Menschen damals gewesen sein musste, etwas Derartiges anzulegen. Der Boden ist steinhart und Metallverarbeitung gab es ebenso wenig wie Wagen. Man hatte also weder stabile Werkzeuge, um in den Boden zu graben, noch die Möglichkeit, den Aushub in großen Mengen abzutransportieren. Die Menschen müssen damals also wirklich mit primitivsten Werkzeugen gegraben – Herr Janz schlug Elchschaufeln vor – und die Erde in Körben wegtransportiert haben. Herr Janz berichtete uns, dass das auch die archäologischen Ausgrabungen äußerst schwierig mache. So wurde ein Teil der Erde mit einem kleinen Bagger abgetragen, um überhaupt in den Boden zu kommen. Diese Erde musste dann natürlich durchgesiebt werden, damit kein Fundstück verloren geht. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „History Hiking“ sah dieser Teil der Arbeit eines Archäologen schon fast nach Strafarbeit aus.
Beim Picknick berichtete uns Herr Janz noch von den Fundstücken: Jadebeilen, Tellern zum Brotbacken und einem sogenannten Tulpenbecher, der dazu diente, Milchprodukte aufzubewahren. Das könne man noch an den Ablagerungen auf der Innenseite des Bechers erkennen, so Herr Janz. All diese Teile mussten aus Tonscherben wieder zusammengeklebt werden.
Nach dem Picknick konnten wir diesen Tulpenbecher neben anderen Funden im Stadtmuseum anschauen. „Krass, so groß hätte ich mir den nicht vorgestellt!“, so eine Teilnehmerin. Auch die erwähnten Ablagerungen konnte man innen gut erkennen.
Von der Hitze und den Eindrücken müde wollten aber alle auch recht schnell nur noch ins Eiscafé, wo das erste „History Hiking“ sein Ende fand. Dank der ergriffenen Schutzmaßnahmen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende zusammenfassen: „Hat Spaß gemacht!“


